Kein Blabla. Disclaimerfrei.

Disclaimer sind ein modernes Märchen, das durch die häufige Verwendung nicht wahrer wird.

Rechtsanwalt Cornelius Matutis, Potsdam

Orientierungshilfen

Die inzwischen fast flächendeckende Meinungslage, dass Disclaimer nötig seien, hat sich im Verlaufe vieler Jahre auf geheimnisvolle Weise wie ein Krebsgeschwür unter Webmastern ausgebreitet. Mit dem Ausmaß der Verbreitung sank offenbar auch das gefühlte Erfordernis, nach Grundlage, Sinn oder Wirkung solcher Texte zu fragen. Sie sind zum Selbstläufer geworden, zur Selbst­verständ­lich­keit, die keine Rückfrage mehr benötigt. Seit langem werden diese Texte von juristischen Laien einfach kopiert, variiert, sogar kritisiert und selbstbewusst neu zusammenkomponiert. Was noch fehlt ist, dass jemand ein Musical draus macht.

Dies wäre eigentlich die Stunde der Fachleute, der Juristen. Sie könnten diesem pseudojuristischen Leerlauf einmal fundiertes Wissen entgegenhalten und bei den verängstigten Webmastern per Aufklärung für Entspannung sorgen. Etliche aber machen sich stattdessen die Unsicherheit der Webseiten­bauer zunutze und bieten eigene Textkreationen an, die lediglich eine Werbegrundlage für ihren Namen und ihr geschäftliches Angebot hergeben. Keiner dieser Anbieter war bisher in der Lage, den Sinn seiner Texte nachvollziehbar zu begründen oder gar nachzuweisen.
Seriosität sieht anders aus.


Es folgt eine Auswahl von Präsentationen im Netz, die sich seriös mit Impressumfragen und/oder Disclaimerfragen befassen und zu fundierteren Ergebnissen kommen:


 https://rechtsbelehrung.com/disclaimer-urban-law-legends ...
"Das ist Spökes, das ist Nonsens, das ist Unfug"  –  Disclaimer und Rechtsmythen, die im Internet verbreitet werden.
Jura Podcast mit Marcus Richter und Thomas Schwenke


 https://www.staemmler.pro/blog/fehlerhafte-disclaimer ...
Disclaimer  –  unnötig, Disclaimer  –  gefährlich. Von Rechtsanwalt Stämmler, Jena


 https://hagendorff.org/2015/05/12/rechtsirrtumer-internetrecht ...
"Es ist leider ein häufiger Irrtum von gewerblichen Webseitenbetreibern und ihren Webdesignern, dass Disclaimer helfen, Abmahnungen zu vermeiden, das Gegenteil ist mitunter der Fall."
Stefanie Hagendorff, Fachanwältin für IT-Recht, Friedberg/Hessen


 http://www.it-recht-kanzlei.de/disclaimer-abmahngefahr ...
"Disclaimer bringen im besten Fall nichts, im schlimmsten Fall jedoch eine Abmahnung und/oder ein verlorenes Gerichtsverfahren [...]. Wo genau diese kleinen Textchen herkommen und wieso sie nach wie vor so eifrig kopiert und blind in kommerzielle Websites eingefügt werden, ist letztendlich nicht nachvollziehbar – es kann jedoch nur angeraten werden, deutlich mehr Sorgfalt als "copy & paste" in die Pflege der eigenen Rechtstexte zu investieren bzw. gleich rechtssichere Texte von einem professionellen Anbieter zu kaufen. Auf Disclaimer aller Art sollte in der Regel verzichtet werden."


 https://www.ra-plutte.de/olg-hamburg-populaerer-disclaimer ...
Populärer Disclaimer ist abmahnbar. Von Rechtsanwalt Niklas Plutte, Mainz


 http://www.hoaxbusters.de/html/18 ...
"DER OBLIGATORISCHE DISCLAIMER – ODER DOCH NICHT?"
Rechtsanwalt Stephan Dirks, Kiel/Hamburg


 https://www.anwalt.de/vorlage/impressum-erstellen ...
Bietet einen Impressumgenerator an, aber keine Erwähnung eines Disclaimers.


 https://www.website-check.de/website-check-fuer-internetseiten ...
Websitecheck ohne Disclaimererwähnung, aber mit Haftungsübernahme für die Richtigkeit des Checks. Als qualifizierte anwaltliche Leistung natürlich nicht kostenlos.